Interview
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Erneuerbare Energien sind gefragt – Fachleute gesucht. Die Bildungsschmieden in Deutschland reagieren: An der Fachhochschule Weihenstephan in Freising bei München wird zum Wintersemester der Bachelor-Studiengang „Management erneuerbarer Energien“ eingeführt. joule-ONLINE sprach mit Prof. Dr. Gerhard Bellof und Prof. Dr. Eggert Schmidt über Inhalte und spätere Berufsmöglichkeiten für Absolventen.
joule-ONLINE: Ihre
Fachhochschule Weihenstephan rühmt sich mit dem Slogan „Grünes Zentrum
Weihenstephan“. Passt der neue Studiengang „Management erneuerbarer
Energien“ überhaupt noch in das Gesamtkonzept der Fachhochschule?
Bellof:
Selbstverständlich. Das ist kein Widerspruch. Erneuerbare Energien
haben sehr viel mit grünen Themen zu tun. Rohstoffe wie Mais und Raps
für Biogasanlagen sowie Biokraftstoffe stammen vom Acker und
unterliegen der landwirtschaftlichen Bearbeitung. Somit ist die
Thematik gut bei uns aufgehoben.
Schmidt: Zudem bieten
wir seit Jahren interdisziplinäre Studiengänge an der Fachhochschule
an. Die Vermittlung ökonomischer Fähigkeiten gepaart mit
produktionstechnischem Wissen in einem spezifischen Themenbereich hat
sich als sehr erfolgreich erwiesen.
joule-ONLINE: Was waren die Beweggründe für die Einführung dieses Bachelor-Studienganges?
Bellof: Drei Leitgedanken
haben zu der Entscheidung geführt. Zum einen arbeiten wir sehr eng mit
dem Wissenschaftszentrum in Straubing zusammen. Dort war man schon
länger daran interessiert das Thema der Erneuerbaren Energien in einen
Studiengang zu integrieren. Zweitens verlangt der boomende Markt nach
Fachkräften, die deren Anforderungen gewachsen sind. Der dritte Strang,
der uns zu diesem Schritt bewogen hat, ist der Hochschulpakt. Dieser
sieht vor, mehr Studienplätze in Deutschland zu schaffen.
Dekan Prof.Dr. Gerhard Bellof und Prof.Dr. Eggert Schmidt (v.l.) brachten den neuen Studiengang "Management erneuerbarer Energien" mit auf den Weg. (Fotos: Zietz) |
joule-ONLINE: Was wird einem in 3 ½ Jahren Studium vermittelt?
Schmidt: Als erstes ist
festzuhalten, dass unsere Professoren natürlich sehr viel Erfahrung aus
den bestehenden Studiengängen Landwirtschaft, Agrarmarketing und
Management sowie Wald- und Forstwirtschaft mitbringen. Diese Erfahrung
bezieht sich explizit auf die Thematik der Biomasse. Im Bereich der
Technik wird das auch unser Schwerpunktthema sein. Dieses Prinzip lässt
sich dann wiederum leicht auf die anderen Technologien der Erneuerbaren
übertragen. Den zweiten Hauptfokus richten wir, wie der Name des
Studiums schon verrät, auf das Management.
joule-ONLINE: Schwerpunktthema
Biomasse. Was ist aber mit Sonne, Wind und Wasser. Kann man einfach von
einer Technologie auf eine andere komplexe Technik wie zum Beispiel die
Windkraftenergie schließen? Besteht nicht die Gefahr, dass ihre zukünftigen Absolventen mangelhaft ausgebildet sind?
Schmidt: Nein, das wird
sicherlich nicht der Fall sein. Natürlich sind die anderen Techniken
sehr komplex. Außerdem behandeln wir sie, aber nicht als Schwerpunkt.
Eine Studie von 2007 zeigt, dass 48 Prozent der Unternehmen, die sich
mit Erneuerbaren Energien befassen, die Biomasse als Haupttätigkeitfeld
beanspruchen. Zudem sind die Fragestellungen in allen Sparten ähnlich.
Zum einen die Frage, wie steuere ich die Energieströme – sei es Wind-,
Wasser- oder Lichtströme und zum anderen die Frage, mit welchen
ökologischen Auswirkungen habe ich bei der jeweiligen Technologie zu
rechnen. Diese Problematiken werden im Studium ausführlich und
detailliert erläutert.
Bellof: Im Laufe unserer
Vorbereitungen haben wir eine Umfrage gestartet. 50 Unternehmen zum
größten Teil aus süddeutschen Regionen und aus allen E-Sparten haben
wir befragt, welche Erwartungen sie an neue Beschäftigte stellen. Die
Auswertungen haben ergeben, dass die meisten Firmen vor allem
Fachkräfte benötigen in den Bereichen Vertrieb, Handel und Logistik.
joule-Service:
Hören Sie Prof. Dr. Schmidt
in unserem Audio-Podcast-Service. Kurz und knapp beantwortet er drei
wichtige Fragen zum neuen Studiengang "Management erneuerbarer Energien"
joule-ONLINE: Welche Berufe können die Studenten später konkret ergreifen?
Bellof: Mögliche
Berufsfelder sind in Betreibergesellschaften, im Projektmanagement oder
als Maschinen- und Anlagenbauer, um nur einige Optionen zu nennen. Aber
auch ganz andere Berufe können später ergriffen werden. Entscheidend
ist die Methoden- und Sozialkompetenz, die man in diesem Studium
erlernt. Durch ein problemlösungsorientiertes Studieren und einer
interdisziplinären Vermittlung von Themen machen wir die Studenten für
das spätere Berufsleben fit. Im Praktikumssemester können dann bereits
Kontakte geknüpft werden, die den Einstieg in den Beruf erleichtern.
Schmidt: Eine Arbeitsmarktstudie von 2007 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(BMU) hat ergeben, dass in den nächsten 14 Jahren die Zahl der
Beschäftigten im Feld der erneuerbaren Energien in Deutschland auf etwa
300.000 steigt. Wir sehen da genug Spielraum für unsere zukünftigen
Absolventen des Bachelor of Sience.
joule-ONLINE: Wie lange wird es den Studiengang „Management erneuerbarer Energien“ an der Fachhochschule Weihenstephan geben?
Bellof: Der Studiengang
ist unbefristet genehmigt. Die Gelder aus dem Hochschulpakt sind auf
fünf Jahre begrenzt. Nach fünf bis sechs Jahren wird es eine
Bestandsaufnahme geben und dann sehen wir weiter. Die Studienplätze
sind auf 60 Personen begrenzt und wir haben schon jetzt weit über 200
Bewerber, obwohl wir nicht mehr Werbung geschaltet haben, als bei
anderen Studiengängen. Das Bewerbungsverfahren läuft übrigens noch bis
zum 15 Juni. Wir blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft.
joule-ONLINE: Herr Dr. Bellof, Herr Dr. Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Rouven Zietz
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