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13.06.2008

Interview

Es warten 300.000 Jobs

Erneuerbare Energien sind gefragt – Fachleute gesucht. Die Bildungsschmieden in Deutschland reagieren: An der Fachhochschule Weihenstephan in Freising bei München wird zum Wintersemester der Bachelor-Studiengang „Management erneuerbarer Energien“ eingeführt. joule-ONLINE sprach mit Prof. Dr. Gerhard Bellof und Prof. Dr. Eggert Schmidt über Inhalte und spätere Berufsmöglichkeiten für Absolventen.

 
joule-ONLINE: Ihre Fachhochschule Weihenstephan rühmt sich mit dem Slogan „Grünes Zentrum Weihenstephan“. Passt der neue Studiengang „Management erneuerbarer Energien“ überhaupt noch in das Gesamtkonzept der Fachhochschule?
 
Bellof: Selbstverständlich. Das ist kein Widerspruch. Erneuerbare Energien haben sehr viel mit grünen Themen zu tun. Rohstoffe wie Mais und Raps für Biogasanlagen sowie Biokraftstoffe stammen vom Acker und unterliegen der landwirtschaftlichen Bearbeitung. Somit ist die Thematik gut bei uns aufgehoben.
 
Schmidt: Zudem bieten wir seit Jahren interdisziplinäre Studiengänge an der Fachhochschule an. Die Vermittlung ökonomischer Fähigkeiten gepaart mit produktionstechnischem Wissen in einem spezifischen Themenbereich hat sich als sehr erfolgreich erwiesen.
 
 
joule-ONLINE: Was waren die Beweggründe für die Einführung dieses Bachelor-Studienganges?
 
Bellof: Drei Leitgedanken haben zu der Entscheidung geführt. Zum einen arbeiten wir sehr eng mit dem Wissenschaftszentrum in Straubing zusammen. Dort war man schon länger daran interessiert das Thema der Erneuerbaren Energien in einen Studiengang zu integrieren. Zweitens verlangt der boomende Markt nach Fachkräften, die deren Anforderungen gewachsen sind. Der dritte Strang, der uns zu diesem Schritt bewogen hat, ist der Hochschulpakt. Dieser sieht vor, mehr Studienplätze in Deutschland zu schaffen.
 
Dekan Prof.Dr. Gerhard Bellof und Prof.Dr. Eggert Schmidt (v.l.) brachten den neuen Studiengang "Management erneuerbarer Energien" mit auf den Weg. (Fotos: Zietz)
 
 
 
joule-ONLINE: Was wird einem in 3 ½ Jahren Studium vermittelt?
 
Schmidt: Als erstes ist festzuhalten, dass unsere Professoren natürlich sehr viel Erfahrung aus den bestehenden Studiengängen Landwirtschaft, Agrarmarketing und Management sowie Wald- und Forstwirtschaft mitbringen. Diese Erfahrung bezieht sich explizit auf die Thematik der Biomasse. Im Bereich der Technik wird das auch unser Schwerpunktthema sein. Dieses Prinzip lässt sich dann wiederum leicht auf die anderen Technologien der Erneuerbaren übertragen. Den zweiten Hauptfokus richten wir, wie der Name des Studiums schon verrät, auf das Management.
 
 
joule-ONLINE: Schwerpunktthema Biomasse. Was ist aber mit Sonne, Wind und Wasser. Kann man einfach von einer Technologie auf eine andere komplexe Technik wie zum Beispiel die Windkraftenergie schließen? Besteht nicht die Gefahr, dass ihre zukünftigen Absolventen mangelhaft ausgebildet sind?
 
Schmidt: Nein, das wird sicherlich nicht der Fall sein. Natürlich sind die anderen Techniken sehr komplex. Außerdem behandeln wir sie, aber nicht als Schwerpunkt. Eine Studie von 2007 zeigt, dass 48 Prozent der Unternehmen, die sich mit Erneuerbaren Energien befassen, die Biomasse als Haupttätigkeitfeld beanspruchen. Zudem sind die Fragestellungen in allen Sparten ähnlich. Zum einen die Frage, wie steuere ich die Energieströme – sei es Wind-, Wasser- oder Lichtströme und zum anderen die Frage, mit welchen ökologischen Auswirkungen habe ich bei der jeweiligen Technologie zu rechnen. Diese Problematiken werden im Studium ausführlich und detailliert erläutert.
 
Bellof: Im Laufe unserer Vorbereitungen haben wir eine Umfrage gestartet. 50 Unternehmen zum größten Teil aus süddeutschen Regionen und aus allen E-Sparten haben wir befragt, welche Erwartungen sie an neue Beschäftigte stellen. Die Auswertungen haben ergeben, dass die meisten Firmen vor allem Fachkräfte benötigen in den Bereichen Vertrieb, Handel und Logistik.
 

 
joule-Service:
 
Hören Sie Prof. Dr. Schmidt in unserem Audio-Podcast-Service. Kurz und knapp beantwortet er drei wichtige Fragen zum neuen Studiengang "Management erneuerbarer Energien"
 


 
 
joule-ONLINE: Welche Berufe können die Studenten später konkret ergreifen?
 
Bellof: Mögliche Berufsfelder sind in Betreibergesellschaften, im Projektmanagement oder als Maschinen- und Anlagenbauer, um nur einige Optionen zu nennen. Aber auch ganz andere Berufe können später ergriffen werden. Entscheidend ist die Methoden- und Sozialkompetenz, die man in diesem Studium erlernt. Durch ein problemlösungsorientiertes Studieren und einer interdisziplinären Vermittlung von Themen machen wir die Studenten für das spätere Berufsleben fit. Im Praktikumssemester können dann bereits Kontakte geknüpft werden, die den Einstieg in den Beruf erleichtern.
 
Schmidt: Eine Arbeitsmarktstudie von 2007 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat ergeben, dass in den nächsten 14 Jahren die Zahl der Beschäftigten im Feld der erneuerbaren Energien in Deutschland auf etwa 300.000 steigt. Wir sehen da genug Spielraum für unsere zukünftigen Absolventen des Bachelor of Sience.
 
 
joule-ONLINE: Wie lange wird es den Studiengang „Management erneuerbarer Energien“ an der Fachhochschule Weihenstephan geben?
 
Bellof: Der Studiengang ist unbefristet genehmigt. Die Gelder aus dem Hochschulpakt sind auf fünf Jahre begrenzt. Nach fünf bis sechs Jahren wird es eine Bestandsaufnahme geben und dann sehen wir weiter. Die Studienplätze sind auf 60 Personen begrenzt und wir haben schon jetzt weit über 200 Bewerber, obwohl wir nicht mehr Werbung geschaltet haben, als bei anderen Studiengängen. Das Bewerbungsverfahren läuft übrigens noch bis zum 15 Juni. Wir blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft.
 
 
joule-ONLINE: Herr Dr. Bellof, Herr Dr. Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.
 
 
Die Fragen stellte Rouven Zietz
 

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